Unsere Geschichte

Geschichte

Die Geschichte des Seehaufens in wenigen Fragen

Die Zeit der Bauernkriege von 1524-1526 ist ein spannendes, aber genauso komplexes Feld. Mithilfe von wenigen strukturierenden Fragen möchten wir eine grobe Idee über den Bauernkrieg im süddeutschen Sprachraum geben. Dies ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erfüllen. Unsere Mitglieder können Ihnen bei weiteren Fragen gerne weiterhelfen!

Im Frühjahr 1525 ist die Welt bereits aus den Fugen geraten! Die Osmanen eroberten 1453 Konstantinopel, Kolumbus entdeckte 1492 eine neue Welt und die Reformation war seit 1517 in vollem Gange. 

Auch der süddeutsche Sprachraum war von unruhigem Aufbruchsdenken erfasst. Grund dafür: 1524 hatte der Bauernkrieg im Südschwarzwald begonnen. 

Die Gräfin Clementia von Montfort hatte diesen durch den Stühlinger Schneckenstreit ausgelöst: Bauern sollten als Frondienst Schneckenhäuser sammeln, anstatt sich um die Felder zu kümmern. Aufstand war die Folge! Ob diese Geschichte stimmt, ist unklar. Sicher ist aber, dass sich ab Weihnachten 1524 auch im oberschwäbischen Raum vermehrt Bauern zu sogenannten „Haufen“(d.h. militärischen Aufgeboten) zusammenschlossen.

Oftmals werden die Bauernaufstände als direkte Folge der Reformation bezeichnet. Oft zitiert ist hier die Berufung auf das „göttliche Recht“. Die Bauern hatten Luthers Aussage, dass ein „Christenmensch“ niemandem untertan sei, nicht theologisch, sondern politisch gedeutet. 

Die Gründe für den Aufstand sind jedoch noch vielschichtiger. Das „alte Recht“ (Privilegien wie z.B. Jagd und Fischfang) wurde immer häufiger durch den Adel beschnitten. Ein Bevölkerungswachstum hatte steigende Getreidepreise zur Folge. Die Intensivierung der Leibeigenschaft und steigende Abgaben an geistliche und adlige Herren wurden als bedrückend empfunden. Beschwerden nützten oft wenig. 

Am 6. März trafen sich in Memmingen Vertreter der oberschwäbischen Bauernhaufen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Ergebnis waren Zwölf Artikel, die die Forderungen der Bauern gegenüber Adel und Klerus beinhalteten. So sollte unter anderem der Pfarrer jeder Gemeinde selbst gewählt werden dürfen. Auch sollte die Leibeigenschaft beendet und Frontdienste verringert werden.

Die Angehörigen des Schwäbischen Bundes (ein Zusammenschluss der schwäbischen Reichsstände) beäugten die Situation kritisch. Früh war man hier bereit, die Situation mit Gewalt zu lösen, wenn dies notwendig sein würde. Als Reaktion auf die – teilweise tatsächlich auch gewaltsamen – Unruhen wurde ein Bundesheer unter Georg III. von Waldburg ausgehoben, das quer durch Süddeutschland zog, um die Aufständischen zu bekämpfen.

Eines dieser aufständischen Aufgebote war der Seehaufen, der sich wiederum in zwei Abteilungen (den Rappertsweiler und den Bermatinger Haufen) teilte. 

Der Bermatinger Haufen ist vermutlich ab dem März 1525, mit dem Bermatinger Kehlhof als Ausgangspunkt, in der Bodenseeregion aktiv. 

Ziele der Bauern waren in dieser Zeit keine militärischen Konfrontationen. Militärische Ordnung und Waffen dienten dem Zweck, verteidigungsfähig zu sein und die Ernsthaftigkeit der eigenen Sache zu unterstreichen. 

Dem Haufen ging es in seiner Frühzeit vor allem um die Gewinnung von Bündnisgenossen. So wurden im gesamten Bodenseekreis sogenannte „Plätze“ errichtet, von denen aus Bauern dem Seehaufen bei einer Auseinandersetzung zu Hilfe kommen sollten. Hier fanden sich auch städtische Verbündete, die ihre Aufgebote schicken sollten.  

Das Kloster Salem musste den Bauern des Seehaufens „schwören“: Unter anderem sollten Sie beeiden, nichts gegen den Seehaufen zu unternehmen. Außerdem kamen sie teilweise für die Versorgung der Bermatinger Abteilung auf. 

Am Abend des 13. Aprils 1525 kam es dann schließlich zur Alarmierung sämtlicher Verbündeter über die eingerichteten Plätze. Um in der Nähe von Weingarten stehende Bauern zu unterstützen, zogen Rappertsweiler und Bermatinger Haufen nach Weingarten. Hier kam es – nach einem kurzen Feuergefecht mit den Truppen des Schwäbischen Bundes – zu einer im Bauernkrieg einzigartigen Handlung: Die Anführer der Bauern verhandelten mit dem Schwäbischen Bund! Ein Vertrag sollte die Niederlegung der bäuerlichen Waffen garantieren, sicherte aber unter anderem auch Straffreiheit und die Klärung von Unrechten in Schiedsgerichten zu. Diese haben jedoch nie stattgefunden. Für den Seehaufen war der Bauernkrieg damit beendet. Der Schwäbische Bund zog weiter. 

In mehreren Schlachten, so unter anderem in Böblingen, kam es zu verheerenden Niederlagen der noch kämpfenden Bauern. Der Bauernkrieg war zugunsten der „Obrigkeit“ ausgegangen. Die alte Ordnung war wieder hergestellt worden.